Porto-North-Portugal.com
Der beste unabhängige Reiseführer für Nordportugal
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Braga gehört zu den seltenen Städten, die zugleich geschichtsträchtig und lebendig wirken. Vor über zweitausend Jahren als römische Siedlung Bracara Augusta gegründet, entwickelte sich die Stadt zum religiösen Zentrum Portugals, zu einer Stadt der Erzbischöfe, der Wallfahrten und der barocken Pracht. Doch sobald du etwas Zeit hier verbringst, merkst du schnell, dass Braga weit mehr zu bieten hat als seine Kirchen.
Wenn du durch die Altstadt schlenderst, kommst du an prunkvollen Kapellen, belebten Caféterrassen und mittelalterlichen Ruinen vorbei, und überall spürst du die Energie einer Universitätsstadt. Ich bereise Portugal seit 2001 und halte Braga für eine der schönsten Städte Nordportugals, voller echtem portugiesischem Charakter und Charme.
Dann ist da noch Bom Jesus do Monte, die beeindruckendste Sehenswürdigkeit Nordportugals: eine monumentale Barocktreppe, die sich an Kapellen und Brunnen vorbei bis zu einem Heiligtum auf dem Hügel hinaufwindet. Selbst nach über 20 Besuchen gibt es für mich nichts Schöneres, als Freunde und Familie hierherzubringen und zuzusehen, wie sie sich in diesen Ort verlieben, auch wenn dabei Hunderte Fotos entstehen.
Was Braga für mich aber wirklich besonders macht, ist, wie selbstverständlich all diese Geschichte neben dem Alltag ihren Platz hat. Das ist keine Stadt, die für Touristen unter einer Glasglocke konserviert ist. Braga ist eine echte, gesellige Stadt, in der gearbeitet und gelebt wird und in der ganz nebenbei in jeder Straße eine außergewöhnliche Vergangenheit steckt.
In diesem Reiseführer stelle ich dir die Sehenswürdigkeiten und Attraktionen in Braga vor, die ich für die besten halte, von den großen Wahrzeichen bis zu den weniger bekannten Ecken, die sich lohnen, wenn du dir etwas mehr Zeit lässt.
Hier sind die Highlights von Braga, also die Sehenswürdigkeiten, die du bei einem Besuch der Stadt meiner Meinung nach nicht verpassen solltest. Unter diesem Abschnitt findest du eine interaktive Karte, die dir bei der Planung deiner Reise hilft, und danach eine ausführliche Beschreibung jeder Sehenswürdigkeit.
Bom Jesus do Monte
Ein barockes Heiligtum, zu dem eine Treppe mit 577 Stufen im Zickzack den Hang hinaufführt, vorbei an Brunnen und Kapellen. Von oben reicht der Blick über das gesamte Minho-Tal (ausführlicher Artikel hier).
Kathedrale von Braga
Die Kathedrale von Braga ist älter als Portugal selbst: Sie stammt aus dem Jahr 1089 und wird seit über 900 Jahren ununterbrochen genutzt. Im Lauf der Jahrhunderte immer wieder erweitert und umgebaut, vereint sie romanische, gotische und barocke Elemente, darunter zwei vergoldete Orgeln mit ungewöhnlichen, waagerecht abstehenden Trompetenpfeifen.
Jardim de Santa Bárbara
Ein kleiner, streng angelegter Garten vor den mittelalterlichen Mauern des Erzbischofspalasts. Die geometrisch geschnittenen Buchsbaumhecken und die leuchtenden Blumenbeete machen ihn zu einem der meistfotografierten Orte in Braga.
Praça da República
Bragas Hauptplatz und der naheliegende Ausgangspunkt, um die Altstadt zu erkunden. Entlang des Arcada-Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert reihen sich die Cafés aneinander, und meistens ist hier irgendetwas los.
Palácio dos Biscainhos
Ein Barockpalast aus dem 17. Jahrhundert, in den die Kutschen früher direkt hineinfuhren, um die Gäste abzusetzen. Heute ist er ein Museum über das Leben des portugiesischen Adels, mit bemalten Decken, Mobiliar aus der Epoche und Gärten, in denen Vexierwasserspiele versteckt sind.
Elevador do Bom Jesus
Diese Standseilbahn, die dich in drei Minuten zum Heiligtum Bom Jesus hinaufbringt, wurde 1882 gebaut, fährt bis heute allein mit Schwerkraft und Quellwasser und ist die älteste ihrer Art auf der Welt.
Arco da Porta Nova
Das alte Stadttor zum historischen Zentrum von Braga wurde 1772 von André Soares neu gestaltet und trägt bis heute das eingemeißelte königliche Wappen Portugals.
Theatro Circo
Ein Belle-Époque-Theater von 1915 mit einer prunkvoll bemalten Kuppel und einer der größten Bühnen Portugals, bis heute Bragas wichtigster Veranstaltungsort für Konzerte und Aufführungen.
Palácio do Raio
Mit seiner Fassade aus leuchtend blauen Fliesen ist er nicht zu übersehen. Dieser Rokokopalast aus dem 18. Jahrhundert gehört zu den schönsten Bauten von André Soares und zu den markantesten Gebäuden der Stadt.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe von Braga
Santuário do Sameiro (7 km von Braga entfernt)
Portugals zweitgrößter Marienwallfahrtsort liegt auf 572 Metern Höhe und bietet an klaren Tagen eine Aussicht bis zum Atlantik.
Mosteiro de Tibães (6 km von Braga entfernt)
Ein Benediktinerkloster, das einst Hauptsitz des gesamten Ordens in Portugal und Brasilien war, mit prachtvoll vergoldeten Innenräumen und Gärten, die von 50 allein durch Schwerkraft betriebenen Brunnen gespeist werden.
Citânia de Briteiros (15 km von Braga entfernt)
Die Überreste einer eisenzeitlichen Höhensiedlung mit über 150 runden Steinhäusern und gepflasterten Straßen, einer der besten Orte in Portugal, um zu sehen, wie die vorrömischen keltischen Gemeinschaften lebten.
Praia fluvial de Adaúfe (5 km von Braga entfernt)
Ein Flussstrand am Cávado, an den die Einheimischen, mich eingeschlossen, an heißen Sommertagen fahren, um zu schwimmen, zu picknicken und der Stadt zu entfliehen.
Auf der interaktiven Karte unten sind alle wichtigen Sehenswürdigkeiten in Braga markiert (Hinweis: Verkleinere die Ansicht, um auch die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung zu sehen, darunter Bom Jesus.)
Legende: 1) Bom Jesus do Monte 2) Sé de Braga 3) Jardim de Santa Bárbara 4) Praça da República 5) Palácio dos Biscainhos 6) Elevador Bom Jesus do Monte 7) Arco da Porta Nova 8) Theatro Circo 9) Palácio do Raio 10) Igreja de Santa Cruz 11) Largo do Paço 12) Convento dos Congregados 13) Capela de São Bentinho 14) Igreja de São Marcos 15) Convento do Pópulo 16) Capela da Torre 17) Termas Romanas
Sehenswürdigkeiten in der Region Braga: 18) Santuário do Sameiro 19) Mosteiro de Tibães 20) Citânia de Briteiros 21) Praia fluvial de Adaúfe
Wenn du zum ersten Mal in Braga bist, ist eine Tour in einer kleinen Gruppe eine tolle Möglichkeit, dich zu orientieren und die Geschichten hinter den Sehenswürdigkeiten zu hören. Ich arbeite seit sieben Jahren mit GetYourGuide zusammen, und zu den besten Touren, die dort für Braga angeboten werden, gehören:
Die barocke Treppe von Bom Jesus führt über 577 Stufen 116 Meter einen bewaldeten Hang hinauf; gebaut wurde sie zwischen 1722 und 1811. Die gesamte Anlage ist als Sacro Monte konzipiert, als Heiliger Berg, auf dem Pilger, die nie nach Jerusalem reisen konnten, die Passion Christi näher an ihrer Heimat nacherleben sollten. Noch heute siehst du gelegentlich Pilger, die zur Buße die ganze Treppe auf Knien hinaufrutschen.
Der Aufstieg gliedert sich in drei deutlich voneinander getrennte Abschnitte, und jeder hat seine eigene Bedeutung. Der einzige Haken: Die meisten Besucher fahren mit dem Auto oder der Standseilbahn nach oben und laufen dann hinunter, erleben das Ganze also rückwärts. Ich bin die komplette Treppe einmal an einem kühleren Frühlingstag hinaufgestiegen, im Sommer würde ich es nicht versuchen.
Der unterste und längste Abschnitt, die Portikustreppe, ist eher ein Waldweg als ein prachtvolles Monument. Ihre 376 Stufen schlängeln sich gemächlich durch schattigen Wald und vorbei an kleinen, frei stehenden Kapellen. Durch Eisengitter blickst du auf lebensgroße Terrakottaszenen aus der Passion Christi, um dich herum ist der Wald still, bis du schließlich auf einen breiten Absatz mit Blick über die Stadt hinaustrittst.
Ab hier ändert sich der Charakter völlig. Die Treppe der fünf Sinne ist die berühmte barocke Zickzacktreppe, an der Brunnen Wasser aus Augen, Nase, Ohren und Mund gemeißelter Figuren sprudeln lassen. Sie stehen für die Reinigung der Sinne des Pilgers, bevor er die Kirche oben erreicht.
Die letzten 93 Stufen, die Treppe der drei Tugenden (Glaube, Hoffnung und Liebe), führen hinauf zum Kirchenvorplatz. Hinter der ganzen Treppe steckt ein raffinierter architektonischer Kniff: Die Stufen werden nach oben hin schmaler, und diese erzwungene Perspektive lässt die Kirche von unten größer wirken. Auch der Stil wandelt sich beim Aufstieg: Unten herrscht der Barock vor, der nach oben hin allmählich dem Klassizismus weicht, ganz so, wie sich die europäische Architektur im Lauf der Zeit verändert hat. Die Kirche auf dem Gipfel wurde 1834 fertiggestellt und beherbergt eine Orgel aus dem 18. Jahrhundert sowie einen Altar aus brasilianischem Jaspis.
Abseits der Treppe bietet der umliegende Park mit alten Zedern und Eichen einen kühlen Rückzugsort hoch über dem Tal von Braga, mit Grotten, Aussichtspunkten und einem kleinen, im Wald versteckten Ruderteich.
Die Barocktreppe von Bom Jesus do Monte, gedacht als spiritueller Pilgerweg von den irdischen Sinnen zum göttlichen Glauben
Im Portugiesischen gibt es die Redewendung „Mais velho que a Sé de Braga“, also „älter als die Kathedrale von Braga“, mit der man alles beschreibt, was wirklich uralt ist. Das passt. Die Kathedrale stammt aus dem Jahr 1089, ist also älter als die Gründung Portugals, und wird seit über 900 Jahren ununterbrochen für Gottesdienste genutzt.
Von außen sieht sie eher wie eine Festung aus als wie eine Kirche, und das ist Absicht. Im 11. Jahrhundert mussten Kathedralen in diesem Teil Portugals verteidigt werden können. Die oberen gotischen Türme kamen erst viel später hinzu und verleihen der Fassade ihren leicht zusammengewürfelten Charakter. Sobald du eintrittst, werden die vielen Umbauten über die Jahrhunderte sichtbar: Wuchtige romanische Pfeiler weichen schlanken gotischen Säulen, die den Blick nach oben lenken sollen, bevor du zu Kapellen kommst, die vor barockem Blattgold nur so strotzen.
Der Höhepunkt ist für viele Besucher das Paar riesiger vergoldeter Orgeln von 1737, die sich über das Kirchenschiff hinweg gegenüberstehen. Ihre waagerechten Trompetenpfeifen, die sogenannten „Spanischen Trompeten“, sind nicht bloß Dekoration. In dieser Ausrichtung strahlen sie den Klang direkt in den Raum ab, mit einer durchdringenden Klarheit, an die senkrechte Pfeifen nicht herankommen.
Die Capela dos Reis (Königskapelle) ist das gotische Herzstück des Gebäudes und birgt die Gräber von Graf Heinrich und Dona Teresa, den Eltern des ersten portugiesischen Königs. Ihr Rippengewölbe zeigt schön, wie die gotische Baukunst höhere, dünnere Mauern und mehr Licht ermöglichte. Ganz in der Nähe solltest du nach dem gläsernen Sarg von Erzbischof Dom Lourenço Vicente Ausschau halten, der 1385 in der Schlacht von Aljubarrota kämpfte. Der Legende nach ist sein Leichnam nie verwest, ein Zeichen seiner Heiligkeit, wobei die trockene Luft zwischen den Steinmauern der Kapelle wohl auch ihren Teil beigetragen hat.
Einen ruhigen Kontrast zum vergoldeten Inneren bildet der gotische Kreuzgang: Steinbögen, die sich in klaren Linien wiederholen, dazu Seitenkapellen, darunter die mit Azulejos ausgekleidete Kapelle des heiligen Gerald, des Schutzpatrons von Braga.
Die Bahn wurde 1882 gebaut und stammt vom Schweizer Ingenieur Niklaus Riggenbach, der die Technik der Alpenbahnen in die Hügel von Braga brachte. Sie ist die älteste Standseilbahn der Welt, die noch mit ihrem ursprünglichen Wasserballast-System fährt. Ihre Energiequelle hat sie nie gewechselt: Schwerkraft und Quellwasser.
Das Prinzip ist herrlich einfach. Der Tank des oberen Wagens wird mit rund 3.000 Litern Wasser aus den Bergquellen gefüllt, und dieses zusätzliche Gewicht zieht den unteren Wagen die 274 Meter lange Strecke mit 42 % Steigung hinauf. Kommt der untere Wagen an der Talstation an, läuft das Wasser mit einem lauten Zischen ab, als würde die Maschine nach der Anstrengung durchatmen. Man kann sie wohl das umweltfreundlichste Verkehrsmittel der Stadt nennen, denn sie kommt allein mit dem natürlichen Wasserkreislauf des Hangs aus.
Die dreiminütige Fahrt bringt dich in Wagen nach oben, deren Innenräume aus poliertem Messing und lackiertem Holz so restauriert wurden, wie sie 1882 aussahen. Die Gleise verlaufen dabei parallel zur Waldtreppe unter dir.
An der Praça da República öffnet sich Bragas mittelalterliche Altstadt, und hier wird die Stadt lebendig. Seit dem 14. Jahrhundert ist der Platz das Zentrum des Handels und des gesellschaftlichen Lebens in Braga, und das ist er bis heute. Wenn jemand aus Braga sagt: „Wir treffen uns an der Arcada“, dann ist genau dieser Platz gemeint.
Die Arcada selbst, das lange Arkadengebäude an der Nordseite des Platzes, stammt von 1885. Sie ersetzte allerdings einen älteren Bau aus dem 16. Jahrhundert, der den Getreidehändlern Schutz bieten sollte. Unter ihren Bögen findest du das Café Vianna, gegründet 1871 und eines der geschichtsträchtigsten Cafés Portugals. Große Namen der portugiesischen Literatur wie Eça de Queirós und Camilo Castelo Branco gehörten zu den Stammgästen, und nach dem Ersten Weltkrieg gab das Café sogar eigene Gutscheine als Notgeld aus, als das Kleingeld knapp wurde. Gleich nebenan eröffnete 1928 das Art-déco-Café Astória, das sich bis heute gut behauptet.
Auf dem Platz fällt dir auch die Torre de Menagem auf, ein 30 Meter hoher Granitturm und das letzte erhaltene Stück von Bragas mittelalterlicher Burg. Der Rest wurde 1906 abgerissen, um Platz für die wachsende Stadt zu schaffen. Wenn du dir die umliegenden Gebäude genau ansiehst, erkennst du, wo die alten Mauern einfach in neuere Bauten integriert wurden. Manche Grundstücke verbergen in ihren Hintergärten sogar 600 Jahre alte Mauerabschnitte.
Die Basilika der Congregados, entworfen von André Soares, beherrscht eine Seite des Platzes. Bis zu ihrer Fertigstellung vergingen über 250 Jahre: Der Bau begann 1703, der Außenbau wurde erst 1964 vollendet. Einer der Glockentürme blieb jahrhundertelang unvollendet, und 1944 flog tatsächlich ein kleines Flugzeug hinein. Ältere Einheimische erzählen diese Geschichte noch heute.
In der Mitte des Ganzen steht der Brunnen Nossa Senhora do Pilar von 1723. Er war ursprünglich die wichtigste Wasserquelle der Stadt und Teil der Bemühungen im 18. Jahrhundert, Braga das prachtvolle barocke Flair eines Roms im Kleinformat zu verleihen.
Die Arcada
Der Name Biscainhos geht nicht auf die Familie zurück, die hier wohnte, sondern auf die baskischen Arbeiter (aus der Biskaya), die nach Braga geholt wurden, um die Befestigungsanlagen der Stadt zu bauen. Der Barockpalast aus dem 17. Jahrhundert ist heute ein Museum und einer der besten Orte in Braga, um zu verstehen, wie die reiche Oberschicht der Stadt tatsächlich lebte.
Das spürst du sofort. Das Erdgeschoss ist mit Granitpflaster ausgelegt, weil die Kutschen direkt ins Haus fuhren und dort die Gäste absetzten. So blieb deren Seidenkleidung vor dem Regen geschützt. Oben sind die Decken mit Trompe-l'Œil-Szenen bemalt, die die niedrigen Räume wie hohe Kuppelsäle wirken lassen. Halte zwischen den historischen Möbeln Ausschau nach dem Schokoladenzimmer, das ganz dem Ritual der heißen Schokolade gewidmet war, einem kolonialen Luxus, der damals teurer als Gold war.
In der Küche, die von einem gewaltigen Granitkamin zum Braten ganzer Tiere beherrscht wird, sind noch die originalen Fliesen und Gerätschaften aus dem 17. Jahrhundert erhalten. In den ehemaligen Ställen stehen die Prunkkutschen der Erzbischöfe von Braga, überzogen mit rotem Samt und Blattgold. Sie sollten die Autorität von Männern zur Schau stellen, die den Titel „Primas der Spanien“ trugen.
Die Barockgärten hinter dem Palast erstrecken sich über drei Ebenen und verbergen „Überraschungsbrunnen“: versteckte Düsen, die ahnungslose Gäste als Scherz unter Adligen nass spritzen sollten.
Eines meiner Lieblingsgebäude in Braga, und es ist einfach nicht zu übersehen. Die leuchtend blauen Azulejos, mit denen die Fassade verkleidet ist, machen es zu einem der meistfotografierten Orte der Stadt, obwohl die Fliesen selbst eigentlich erst im 19. Jahrhundert hinzukamen, bezahlt von Miguel José Raio, einem portugiesischen Kaufmann, der in Brasilien zu Vermögen gekommen war.
Die eigentliche Geschichte erzählt aber der Granit darunter. Der Architekt André Soares entwarf den Palast 1752 und brach dabei mit fast allen Konventionen seiner Zeit: An den Fensterrahmen setzte er konkave und konvexe Linien ein, um dem Stein Bewegung zu verleihen. Wenn du dir die Giebel über den Fenstern genau ansiehst, wirst du merken, dass keiner dem anderen exakt gleicht, eine bewusste Absage an die Symmetrie, die eher den organischen Formen des Rokoko verpflichtet ist. Die gemeißelten Rocaille-Motive, also Muscheln, Blätter und Flammenformen, sind so tief in den Granit geschnitten, dass die Fassade im Laufe des Tages mit dem wechselnden Licht ihren Charakter verändert.
Später diente der Palast über ein Jahrhundert lang als Krankenhaus, und das ist, wie bei Tibães, mit ein Grund dafür, dass das Innere unversehrt erhalten blieb, statt ausgeräumt oder bis zur Unkenntlichkeit modernisiert zu werden.
Bragas römische Thermen liegen unter den modernen Straßen nahe der Kathedrale und wurden erst Ende der 1970er-Jahre entdeckt, als man bei Bauarbeiten geradewegs auf das 1. Jahrhundert stieß. Die Anlage stammt aus der Zeit, als die Stadt noch Bracara Augusta hieß und Hauptstadt der römischen Provinz Gallaecia war, und was davon erhalten ist, erschließt sich erstaunlich gut, sobald du weißt, worauf du achten musst.
Das Glanzstück ist die Fußbodenheizung, das sogenannte Hypokaustum. Reihen von Ziegelpfeilern trugen einen erhöhten Boden, unter dem heiße Luft aus einem Ofen zirkulierte. Du kannst den gesamten Rundgang durch die Bäder nachvollziehen, vom kalten Tauchbecken des Frigidariums bis zum beheizten Caldarium, und es gibt sogar Hinweise auf einen trockenen Schwitzraum, ähnlich einer modernen Sauna. Achte darauf, wie hier heimischer Granit neben römischen Ziegeln aus gebranntem Ton verbaut wurde, eine Anpassung an eine Provinz, in der es keinen Marmor gab, der bautechnische Ehrgeiz aber keineswegs geringer war.
Die Thermen lagen neben dem römischen Theater und bildeten mit ihm ein Freizeitviertel, in dem die Bürger einen Nachmittag lang zwischen Aufführung und Bad pendeln konnten. Im 3. Jahrhundert war die Anlage bereits aufgegeben, und Braga baute einfach darüber, sodass sie die nächsten 1.700 Jahre unter der Stadt versiegelt blieb.
Das Augustinerkloster, in dem heute das Rathaus von Braga untergebracht ist, wurde bewusst nach der Basilika Santa Maria del Popolo in Rom benannt, eine Art spirituelles Markenzeichen, das diesen Winkel Nordportugals mit der Hauptstadt der katholischen Welt verband. Das Äußere, das du heute siehst, geht größtenteils auf eine klassizistische Umgestaltung im 18. Jahrhundert zurück, eines der ersten Gebäude dieser Art in der Region, der Uhrturm kam allerdings erst 1906 hinzu.
Achte im Inneren auf die Trompe-l'œil-Fliesenbilder entlang der Prunktreppe: blau-weiße Azulejos, die mit sorgfältig berechneter geometrischer Perspektive gestaltet sind, damit der Raum größer und tiefer wirkt, als er tatsächlich ist. Nach der Auflösung der Klöster 1834 diente das Gebäude jahrelang als Militärkaserne, bevor es Sitz der Stadtverwaltung wurde, und das erklärt wohl, warum sich die massiven Innenräume aus Granit so gut erhalten haben.
Sechs Kilometer nordwestlich von Braga liegt halb im Wald versteckt das Kloster Tibães, das von 1567 bis zur Auflösung der Klöster 1834 der Hauptsitz des gesamten Benediktinerordens in Portugal und Brasilien war. Dieser Status brachte Reichtum in einem Ausmaß, mit dem nur wenige Klöster mithalten konnten, und wohin das Geld floss, siehst du, sobald du die Kirche betrittst. Der Hauptaltar ist so üppig mit Blattgold überzogen, dass buchstäblich keine freie Fläche mehr übrig bleibt, ein Stil, den man Horror vacui nennt, die Angst vor der Leere.
Was den kurzen Abstecher von Braga nach Tibães aber lohnt, ist die Art, wie die gesamte Anlage als eigene, in sich geschlossene Welt angelegt wurde. Die Gärten ziehen sich in Terrassen den Hang hinter dem Kloster hinauf, versorgt von 50 Brunnen, die allein durch Schwerkraft funktionieren und alle aus einer einzigen Bergquelle gespeist werden. Dasselbe Wassersystem trieb Getreidemühlen an und bewässerte die Obstgärten, bevor es die Küchen erreichte: das benediktinische Motto Ora et Labora, umgesetzt in Wasserleitungen.
Nach der Auflösung der Orden wurde Tibães an eine Privatfamilie verkauft, statt vom Staat ausgeräumt zu werden, und das ist mit ein Grund dafür, dass so viele der originalen Holzarbeiten unversehrt erhalten blieben.
Wenn ich in Braga einen Ort als Geheimtipp bezeichnen müsste, wäre es das Santuário do Sameiro. Es liegt sieben Kilometer von der Stadt entfernt auf 572 Metern Höhe und ist das zweitgrößte Marienheiligtum Portugals, auch wenn man das angesichts der wenigen Besucher kaum vermuten würde. Während Bom Jesus die Reisebusse anzieht, thront Sameiro ruhig auf seinem Hügel, und in der Hochsaison komme ich oft lieber hierher, wegen der Ruhe, die der berühmtere Nachbar nicht bieten kann.
Die Kirche wurde zwischen 1863 und 1869 erbaut, und innen ist sie schlichter, als man es von einem bedeutenden Wallfahrtsort erwarten würde. Die Säulen sind aus brasilianischem Marmor, und der 200 Kilo schwere silberne Tabernakel war 1904 ein Geschenk des portugiesischen Volkes zum 50. Jahrestag des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis. In den vier Glockentürmen hängen in Belgien gegossene Glocken, jede über tausend Kilo schwer und so gestimmt, dass sie zusammen einen Akkord ergeben, der über das Tal bis hinunter nach Braga trägt.
Der eigentliche Grund für den Besuch ist aber die Aussicht von den umliegenden Terrassen. An einem klaren Tag siehst du bis zur Atlantikküste bei Esposende, über das grüne Tal hinweg bis zum fernen Meer, und allein dafür lohnt sich die kurze Fahrt aus der Stadt.
Fünfzehn Kilometer nördlich von Braga liegen auf einem Hügel die Ruinen der Citânia de Briteiros, die Überreste einer keltischen Siedlung, in der vor der Ankunft der Römer vielleicht tausend Menschen lebten. Erhalten sind über 150 runde Steinhäuser, und sie stehen nicht wahllos verteilt, sondern in ummauerten Familiengehöften, die durch gepflasterte Straßen miteinander verbunden sind. Diese Anordnung lässt auf eine Gesellschaft schließen, die weit besser organisiert war, als das Wort „Wallburg“ vermuten lässt.
Das berühmteste Stück der Anlage ist die Pedra Formosa, eine kunstvoll behauene Granitplatte, die den Eingang zu einem rituellen Badehaus bildete. Die Öffnung ist so klein, dass jeder, der hineinwollte, auf Händen und Knien hindurchkriechen musste, vermutlich ganz bewusst als Übergangs- oder Reinigungsritual. Das Original steht heute im Museu Martins Sarmento in Guimarães, benannt nach dem Archäologen aus dem 19. Jahrhundert, der Briteiros so sorgfältig ausgrub, dass er damit in Portugal Maßstäbe für das ganze Fach setzte.
Am spannendsten finde ich, wie viel hier immer noch funktioniert. Die steinernen Abflussrinnen, die vor über zweitausend Jahren in die Straßen gehauen wurden, leiten nach einem Unwetter noch heute das Regenwasser den Hang hinunter. Und wenn du dich neben einen Eingang hockst, achte auf die eingemeißelten Sonnensymbole an den Türrahmen. Diese Schutzzeichen verbinden den stillen Hügel im Norden Portugals mit keltischen Traditionen, die man überall im vorrömischen Europa findet.
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